Arolsen 1 zittert sich erneut zum Sieg

Im Lokalderby gegen Korbach mussten die Arolser lange bangen, bevor nach über fünf Stunden Spielzeit der hauchdünne 4,5:3,5 Erfolg besiegelt war.

Die Vorzeichen waren denkbar ungünstig: Während bei Arolsen gleich drei Stammspieler fehlten, hatten die Korbacher nur einen Ersatzmann zu stellen. Oder in diesem Falle eine Ersatzfrau. Anastasiya Shkolnyk-Kilic hatte es nach einer längeren Schachabstinenz gleich mit dem erfahrenen Taktikfuchs Friedrich Wagener zu tun. Und der tat, was er immer tat: Alles nach vorn werfen! Das sah zwar optisch ganz gut aus, aber die Korbacherin wehrte erfolgreich alle Angriffe ab und konnte schließlich gar einen Mehrbauern verbuchen. Doch statt nun weiter auf Sieg zu spielen bot sie Wagener ganz unverhofft Remis an, was dieser dankend annahm.

Das Glück nicht auf seiner Seite hatten hingegen Jürgen Wolf. In seiner Partie gegen den Ex-Arolser Karl-Heinz Lages hatte der Residenzstädter lange Zeit alle Trümpfe in seiner Hand. Mehr Raum, ein bärenstarkes Läuferpaar – was sollte da noch schiefgehen? Vermutlich war es Schachgöttin Caissa, die aus einer Laune heraus Wolf kurzzeitig mit völliger Schachblindheit verfluchte. Denn anders lässt sich nicht erklären, warum der Arolser im Glauben den gegnerischen Turm zu erobern, plötzlich seinen weißfeldrigen Läufer einzügig einstellte. Blankes Entsetzen auf Arolser Seite, ungläubige Freude bei den Korbachern.

Wer nun glaubte die Residenzstädter würden sich von diesem Schock nicht mehr erholen, sah sich allerdings getäuscht. Denn nur Minuten später war es Thomas Bölke, der umgehend den Ausgleich wiederherstellte. Schon früh hatte Bölke zwei Bauern erobert und gab sie nicht mehr her. Jan Zioltkowski bemühte sich zwar redlich, blieb aber die gesamte Partie über ohne jedes Gegenspiel. Technisch trocken wickelte Bölke in ein gewonnenes Endspiel ab, so dass dem Korbacher nur noch die Aufgabe blieb.

Mit dem erneuten Ausgleich im Rücken mobilisierte auch Mannschaftsführer Hermann Henze noch einmal alle Kräfte, um das Turmendspiel mit Minusbauern halten zu können. Sein aktiver König plus ein gegnerischer Doppelbauer sicherten dem Arolser genug Gegenspiel, so dass beide friedlich in den Remishafen einliefen.

Weitaus stürmischer ging es in der Partie von Martin Malinowski zu. In einer Partie, die an die wildromantische Ära des Schachs aus dem 19. Jahrhundert erinnerte, versuchten beide Seiten schnellstmöglich den gegnerischen König zu erlegen. In diesem hochtaktischen Schlagabtausch erwiesen sich Malinowkis Freibauern als brandgefährlich. Die Krönung war jedoch ein nicht zu bändigendes Springerpaar, das erfolgreich die gegnerische Stellung infiltrierte und Wolrad-Jürgen Witte schließlich zur Aufgabe zwang.

Weitaus mehr zu bangen hatte die Residenzstädter in der Partie von Harald Block. Gewohnt solide hatte es sich Block häuslich mit den schwarzen Steinen eingerichtet, immer bereit alle gegnerischen Angriffsbemühungen im Keim zu ersticken. Und tatsächlich: Irgendwie hielt seine Dame das Haus zusammen und Reinhard Figge sah sich außerstande einen Weg hineinzufinden – Remis!

Ruhl

Mit einem Zwischenstand von 3,5:2,5 für Arolsen richteten sich alle Blicke auf die beiden verbliebenen Partien. Und hier machten es die Ruhl Zwillinge noch einmal richtig spannend. Der eine wie der andere hatten sich in hochgradige Zeitnot manövriert – mal wieder. Zwölf Züge in kaum mehr als einer Minute? Bei den Mannschaftskollegen lagen die Nerven blank. Zum ungläubigen Staunen der Kibitze vermochten es beide die Zeitkontrolle im 40. Zug zu erreichen. Die Bilanz: Nachdem Marcel Ruhl mit einer gewissen Kaltschnäuzigkeit alle Mattangriffe von Lucien Paulus überlebt hatte, schlug nun sein Mehrmaterial zu Buche. Elegant ließ er seinen Läufer stehen, um einen der Freibauern Richtung Damenumwandlung zu bewegen. Paulus gab noch ein paar Schachs mit Turm und Springer, aber letztlich erwies sich der Bauern als uneinholbar – Sieg!4,5:2,5 für Arolsen, der Mannschaftssieg war somit sichergestellt.

Moritz Ruhl kämpfte noch über eine Stunde lang weiter, aber Christian Naujocks behielt in einem hochkomplexen Handgemenge letztlich die Oberhand. Der Arolser versuchte zwar mit einigen taktischen Tricks, seinen erfahrenen Gegner in eine Falle zu locken – vergeblich. Und so blieb es am Ende beim hauchdünnen 4,5:3,5 für Arolsen, das nun gemeinsam mit Wolfagen/ Bad Emstal die Tabelle anführt.

SV Arolsen 1

SF Korbach 1

4,5:3,5

Boelke, Thomas

Zioltkowski, Jan

1:0

Wolf, Jürgen

Lages, Karl Heinz

0:1

Henze, Hermann-Josef

Shkolnyk, Boris

½:½

Ruhl, Moritz

Naujocks, Christian

0:1

Block, Harald

Figge, Reinhard

½:½

Malinowski, Martin

Witte, Wolrad-Jürgen

1:0

Ruhl, Marcel

Paulus, Lucien

1:0

Wagener, Friedrich

Shkolnyk-Kilic, Anastasiya

½:½

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